Die Psychologie des Sparens beim Strom

Angst vor Veränderung?

Oftmals möchten Menschen aus Bequemlichkeit oder Angst nichts ändern, auch wenn sie mit der aktuellen Situation eigentlich unzufrieden sind. Doch es ist überhaupt nicht schwer, den Stromanbieter zu wechseln und Geld zu sparen. Veränderungen haben häufig auch etwas Gutes. Denn wenn der Wechsel zum neuen Anbieter funktioniert, wissen Sie: Sie können selbst entscheiden, aus welcher Quelle Sie den Strom beziehen und lassen sich nichts durch den städtischen Grundversorger vorschreiben.

Warum eigentlich sparen?

Sparen gilt aktuell als uncool. Wer will sein Geld heute noch auf die hohe Kante legen? Die Zinsen sind im Keller und es ist schwer einzuschätzen, wieviel das Geld nach ein paar Jahren noch wert sein wird.

Doch wer kein Geld zurücklegt, hat auch für schwere Zeiten, oder wenn man unbedingt etwas anschaffen möchte, nichts. Wer spart, setzt sich Ziele und glaubt an die Zukunft. Auch wenn vieles heute unsicher ist, gibt einem das Gefühl, ein paar Rücklagen zu haben, Sicherheit. Sie sind unabhängig, wenn Sie bei härteren Zeiten auf Ihre eigenen Rücklagen zurückgreifen, anstatt Freunde oder die Bank um Geld zu bitten.

Oder generell, wer Rücklagen gebildet hat, kann spontan sein, mal länger in den Urlaub fahren oder kurzfristig eine neue Anschaffung tätigen. Sparen heißt nicht automatisch Verzicht. Nur weil Sie darauf achten, wofür Sie ihr Geld ausgeben, heißt das noch lange nicht, dass Sie sich nicht amüsieren können. Sie setzen Ihr Geld dann eben bewusst ein.

Beim Strompreis ist das so eine Sache: Seitdem der Markt 1998 liberalisiert wurde, können deutsche Haushalte den Stromanbieter wechseln. Vom Wettbewerb merkt man allerdings nur wenig. Nach Angaben der Bundesnetzagentur wechselte bislang nur ein Drittel der Verbraucher zu einem günstigeren Anbieter. Und das, obwohl es mehr als 1.000 Stromanbieter und über 13.000 Tarife gibt. Aber auch Stromanbieter profitieren davon, wenn Kunden sparen. In Hauptbelastungszeiten müssen sie zusätzlichen teuren Strom einkaufen. Wenn Kunden sich zurückhalten, muss weniger zugekauft werden und so sparen beide.

Wenn Sie beispielsweise Ihren Stromanbieter wechseln und nur durch den Wechsel 200 Euro sparen, ist das eine gute Sache. 200 Euro haben oder nicht haben, für den Urlaub oder das angesagte Kleidungsstück? Warum mehr ausgeben, wenn man unkompliziert durch Vergleiche von Versicherungen oder Reisen viel Geld sparen kann?

Vergleiche – eine ewige Krux

Zudem sind wir alle neugierig und wollen wissen, was unsere Mitmenschen machen. Ständig vergleichen wir uns mit anderen und machen das Verhalten unserer Mitmenschen zur Norm. Dabei ist es egal, ob die Taten der Anderen positiver oder negativer Natur sind.

Die Smiley-Studie

Eine Universität in Kalifornien führte 2007 eine Studie mit knapp 300 Haushalten durch. Sie ermittelten über ein paar Wochen den Stromverbrauch. Nach der dritten Messung fand jeder Haushalt einen Türhänger mit seinem Verbrauch vor. Beim nächsten Mal hinterließen die Forscher auf dem Türhänger den Gesamtverbrauch der Nachbarschaft. Wer mehr verbrauchte als der Durchschnitt, bekam ein trauriges Gesicht, wer weniger verbrauchte erhielt einen glücklichen Smiley. Bei der fünften Messung kam heraus, dass die Haushalte ihren Stromverbrauch anpassen, egal, ob sie wenig oder zu viel verbrauchten. Denn die Verbraucher erhielten nun die genauen Zahlen. Extreme Stromsparer waren hingegen immer sparsam.

Ein Alltagsexperiment

Der Fernsehsender SWR begleitete 2.000 Familien über ein Jahr. Diese konnten sich über ein Internetportal über ihren genauen Stromverbrauch zu jedem Tag und zu jeder Stunde informieren. Die Familien hatten eine durchschnittliche Ersparnis von knapp vier Prozent. Das scheint zunächst nicht viel, aber so könnten alle deutschen Haushalte jährlich eine Milliarde Euro sparen. Doch der Alltagsstress siegte. Forscher sagen, dass deutliche Emotionen, hohe Risiken oder starke Vorteile von Nöten sind, damit wir uns ändern. Doch im Alltag sind wir von solchen Gefühlen weit entfernt.

Ein positiver Effekt konnte ein Display, das den momentanen Verbrauch in Cent pro Stunde in das Wohnzimmer schickt, nicht erreichen. Erst nachdem sich die Familien Ziele gesetzt hatten und das Display anzeigte, ob das Ziel erreicht wird oder nicht, änderte sich etwas.

Wie spare ich Strom?

Die EU-Kommission, die 2009 ein Glühbirnenverbot bewirkte, machte damit einen entscheidenden Fehler. Natürlich sind Energiesparleuchten sparsamer und umweltfreundlicher. Sie sind teurer in der Anschaffung als Glühbirnen, aber im Verbrauch deutlich sparsamer und somit günstiger. Obwohl viele Menschen das wussten, kauften sie vor dem Inkrafttreten des Verbots Glühbirnen en Masse und können so Jahre, gar Jahrzehnte später noch die Stromfresser nutzen. Grund: Die Verbraucher fühlten sich bevormundet und es fällt ihnen schwer, sich durch ein Verbot überzeugen zu lassen.

Folgende Tipps helfen, ihren Verbrauch zu senken:

Keiner ändert sein Verhalten um 180 Grad von heute auf morgen. Finden Sie heraus, wo Ihr Stromverbrauch am höchsten und am geringsten ist. Leihen Sie sich ein Strommessgerät bei einer Verbraucherzentrale aus oder kaufen Sie eines. Stecken Sie dann das Gerät in die Steckdose und stecken beispielsweise den Fernseher in das Messgerät. So finden Sie heraus, wie hoch der Verbrauch ist und Sie können sich sogar den Preis pro Kilowattstunde anzeigen lassen.

Wichtig: Rechnen Sie die Werte dann auf ein Jahr hoch, nur so können Sie alle Geräte wirksam miteinander vergleichen.

Weitere Tipps:

  • Bei Neuanschaffung auf Effizienz der Geräte achten
  • Energiesparlampen
  • Geräte ausschalten statt Standby
  • Geräte nur einschalten, wenn Sie diese nutzen
  • Den Kühlschrank schnell schließen und regelmäßig abtauen
  • Geschirrspüler, Waschmaschine und Trockner im Eco-Modus nutzen
  • Mit Restwärme kochen
  • Intelligentes Lüften
  • Laptop statt PC
  • Steckdosenleisten mit Ein/Aus-Schalter

Wechseln Sie den Anbieter, sparen Sie unter Umständen nicht nur Strom, sondern Sie schonen auch Ihren Geldbeutel.

So geht’s

Wer noch nie gewechselt hat, ist bei der Grundversorgung und kann den Vertrag immer mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Wenn Sie schon einmal den Anbieter gewechselt haben, müssen Sie sich an die vereinbarte Vertragslaufzeit halten. Diese darf maximal zwei Jahre betragen. 

Um die Tarife gut vergleichen zu können, sollten Sie den eigenen Jahresverbrauch kennen. Diesen finden Sie auf der letzten Jahresabrechnung. Achten Sie auf Vertragslaufzeit von maximal einem Jahr, kurze Folgelaufzeiten von vier Wochen und kurze Kündigungsfristen. Meiden Sie Preisgarantien und Strompakete. Ihr neuer Anbieter übernimmt zudem alle Formalitäten der Kündigung.

Fazit

Wir brauchen einen Anreiz und somit einen deutlichen Ansporn, um unseren Stromverbrauch zu senken. Gerade im Alltagsstress vergessen wir oft, auf die Effizienz der Geräte zu achten oder Standby-Modi zu vermeiden. Jedoch können wir mit einfach Tricks ohne großen Aufwand schon viel bewirken und auch wenn es nur ein paar Euro monatlich sind, die wir einsparen: Auf Dauer macht das viel aus, es schon den Geldbeutel und gibt ein gutes Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun.

Auch den Stromanbieter zu wechseln ist heute wirklich sehr leicht und bringt Ihnen viele Vorteile. 2015 sparte der deutsche Stromkunde im Durchschnitt 279 Euro. Wenn Sie die Preise regelmäßig im Blick haben, auf Preiserhöhungen schnell reagieren und Neukundenprämien, können Sie viel Geld sparen. Auch die Angst davor, dass bei Kündigung des Anbieters alle Lichter ausgehen, ist unberechtigt: Der örtliche Anbieter ist per Gesetz verpflichtet, Sie in der Ersatzversorgung aufzunehmen.